So punkten Introvertierte

Introvertierte Menschen werden in einer lauten Welt gerne überhört und übersehen. Dass es auch anders geht, erklärt Diplom-Psychologe Laszlo Pota.

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Introvertiert, aber keine graue Maus

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Diplom-Psychologe Laszlo Pota ist seit über 30 Jahren im Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen e. V. (BDP) aktiv. Er arbeitet als niedergelassener Psychotherapeut in Lübeck und schreibt für verschiedene Zeitschriften.

Herr Pota, sind Sie eher ein introvertierter oder ein extravertierter Mensch?

Ich bewege mich irgendwo im Mittelfeld, wie wohl die meisten Menschen und habe von beidem etwas. Ich kann mal der stille Zuhörer und mal das klassische Alphatier sein. Als Psychotherapeut muss ich Ruhe ausstrahlen, mich selbst im Hintergrund halten und in Maßen auch Mitgefühl empfinden können. Wenn ich mich aber für eine gute Sache engagiere oder ein Ziel erreichen will, bin ich sehr aktiv. Ich übernehme dann öffentlich Verantwortung und kann andere für Ideen begeistern.

Extravertierte Menschen sind heutzutage angesagt. Wieso?

Das hängt mit unserer leistungsorientierten und schnelllebigen Gesellschaft zusammen. Wer witzig und wortgewandt ist, sich gut verkaufen und durchsetzen kann, bekommt schnell Anerkennung und Aufmerksamkeit. Da sind die Extravertierten eindeutig im Vorteil. Sie können ihre Mitmenschen mitreißen, überzeugen, aber auch aufheitern und zum Lachen bringen. Problematisch wird es für extrem Extravertierte nur, wenn den blumigen Worten und tollen Ideen keine Taten folgen. Dann ist die Enttäuschung groß, egal ob im Job oder in einer Beziehung.

Und wann ist zu viel Extraversion schwierig?

Manche Extravertierte sind davon überzeugt, alles besser zu wissen und zu können, weil sie sehr schnell denken und entscheiden. Dieser Trugschluss kann nicht nur im Job, sondern zum Beispiel auch in der Kindererziehung zu Problemen führen. Wenn ein extravertierter Elternteil sein Kind nicht in Ruhe selbst handeln und entscheiden lässt, sondern alles vorwegnimmt, kann das die kindliche Entwicklung hemmen. Durchaus hilfreich, wenn der andere Elternteil dann geduldig gegensteuert, dem Nachwuchs viel Zeit zum Entdecken, Begreifen und Ausprobieren lässt. Ein Beispiel, das auch zeigt, wie gut sich intro- und extravertierte Partner im Alltag ergänzen können.

Introvertierte gelten oft als Langweiler, als „graue Mäuse“. Zu Recht?

Bei weitem nicht! Introvertierte Menschen sind oft sehr genau, tiefsinnig, kreativ, romantisch und zuverlässig. Das sind Eigenschaften, die vielleicht nicht ganz so spektakulär sind, die einen Menschen aber interessant machen – als Freund, Kollegen oder Partner. Mit Introvertierten kann man vielleicht weniger Partys schmeißen, aber dafür tiefgründige Gespräche führen. Man muss ihnen nur zuhören können. 

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