Pater Anselm Grün lebt, arbeitet und wirkt seit 1964 in der Benediktinerabtei Münsterschwarzbach. Seit 1977 ist er dort für die wirtschaftliche Führung der Abtei verantwortlich. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt veröffentlichte er auch sein erstes Buch. Auf Grund seiner sehr aktiven Autorentätigkeit erschienen bis zum heutigen Zeitpunkt über 300 Bücher, in denen er sich mit Religion und Spiritualität, aber auch einem großen Maß an Lebenshilfe auseinandersetzt. Pater Anselm ist zudem Referent und spiritueller Berater vieler Hilfesuchender.
Warum ist es so wichtig, sich hin und wieder zurückzuziehen?
Die Gefahr ist, dass wir uns von außen zu sehr bestimmen lassen. Sich Zurückziehen bedeutet, mit sich selbst und der eigenen Seele in Berührung zu kommen und zu hinterfragen: Stimmt mein Leben noch? Leb ich an mir vorbei? Werd ich gelebt oder leb ich selbst? Und dazu braucht es einfach Zeiten des Innehaltens.
Wann ist es Zeit für eine Auszeit?
Immer dann, wenn man merkt, ich bin unruhig, gereizt oder ich habe keine Lust mehr auf meine Arbeit. Dann ist es auf jeden Fall wichtig, sich Zeit für sich zu nehmen.
Wie merken Sie, dass Sie Auszeit oder eine Pause brauchen?
Ich habe, Gott sei Dank, jeden Tag eine Auszeit: Die ersten drei Stunden am Tag sind Schweigezeit. Das tut mir einfach gut. Außerdem höre ich auf meine Gefühle. Wenn ich keine Lust mehr habe, dann brauch ich Zeit für mich. Dann will ich auch niemand anderem mehr etwas geben, sondern muss erst mal für mich selbst sorgen.
Wie sieht das „für sich selbst sorgen“ dann bei Ihnen aus?
Ich gehe spazieren, lese oder meditiere. Ich meditiere zum Beispiel jeden Morgen circa 20 Minuten. Ich sitze einfach still, folge meinem Atem und verbinde ihn mit dem Jesusgebet. In das Jesusgebet führe ich meine Gedanken und Gefühle ein und werde dadurch ruhig.
- Seite 1: „Zeiten des Innehaltens“
- Seite 2: „Auszeiten schützen“
- Seite 3: Tipps fürs neue Jahr
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