„Unglaubwürdig und riskant für den Kunden“

Functional Food hat nicht nur Befürworter. Verbraucherschützer Thilo Bode spricht sich offen gegen die mutmaßlich funktionellen Lebensmittel aus.

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Bild Thilo Bode

Thilo Bode, Gründer der Verbraucherorganisation Foodwatch Deutschland, kritisiert in seinem Buch „Die Essensfälscher“ vehement die Lebensmittelindustrie. Sein Vorwurf: Um das Geschäft anzukurbeln, werden Trends kreiert und Bedürfnisse künstlich geschürt.

Herr Bode, was stört Sie an Functional Food?

Es ist Geschäftemacherei. Viele Produkte sind wirkungslos oder sogar riskant für den Kunden. Nestlé hat für Functional Food eine Extra-Firma gegründet. Der Unternehmenschef behauptet, man wolle durch gesundheitsfördernde Lebensmittel die Sozialsysteme entlasten. Das halte ich für völlig unglaubwürdig – vor allem, weil andere Teile des Gesamtkonzerns weiterhin viel zu süße Drinks produzieren und Lebensmittel mit umstrittenen Zusatzstoffen oder verstecktem Zucker. Für schlichtweg gefährlich halte ich, wenn der Verbraucher statt zum Arzt zu gehen, ganz ohne Diagnose zu cholesterinsenkenden Drinks oder Margarinen greift. Da wird der Irrtum genährt, durch den Verzehr von Functional Food könne man etwas auf eigene Faust kurieren oder einer Krankheit vorbeugen.

Warum findet Functional Food so viele Käufer?

Gesunde Ernährung liegt im Trend und Functional Food wird als besonders gesund vermarktet. Aber es gibt auch andere Faktoren: Es werden allein durch die zwei bekanntesten Produkte Milliardenumsätze gemacht. Natürlich fließen davon Riesensummen auch in die Werbung. Da wird von guten und von schlechten Bakterien gesprochen oder suggeriert, man könne Erkältungen vorbeugen. Die Aussagen sind griffig – obwohl sie nicht stimmen oder zumindest in die Irre führen. Außerdem drängen die Hersteller sogar in die Arztpraxen und legen dort Gutscheine aus. Das ist eine ungute Verbindung zwischen der Nahrungsmittelindustrie und dem Gesundheitssektor. Dabei wird absichtlich das Vertrauen der Patienten in ihren Arzt ausgenutzt.

Können Sie sich vorstellen, dass in ganz bestimmten Fällen Functional Food doch gerechtfertigt ist?

Wenn diese Art von Lebensmitteln einen medizinischen Nutzen hat, müsste man sie allerdings als Medikament auffassen, das in Apotheken verkauft und von Ärzten empfohlen oder verschrieben wird, mitsamt Dosierungsanleitung. Die großen Konzerne wollen aber in den Supermärkten mit möglichst vielen Regalmetern die breite Masse erreichen, auch völlig gesunde Menschen. Da ist viel mehr Umsatz zu machen als in der Apotheke. Grundsätzlich sollten Defizite in der Ernährung durch die Ernährung selbst bekämpft werden. Also konsequenterweise gehört auch der Rat des Arztes dazu, der seinem Patienten sagt: „Sie müssen mehr Milch trinken“ oder „Essen Sie mehr Obst und Gemüse“.

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