Fußball, Statistik und Weisheiten

"Never change a winning team." Dieses und mehr weiß Sportstatistiker Roland Loy zu widerlegen. Fußballwissen zum Auftrumpfen lesen Sie im Interview.

Bild: Porträt Roland Loy
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"Wer 1:0 führt, der stets verliert! Stimmt's, Herr Loy?"

STATISTIK. Ein Spiel dauert 90 Minuten. Herbergers Satz gilt für Fußballfans, für Spieler – aber nicht für Roland Loy. Der Sportstatistiker hat 3.000 Fußballspiele bis auf den letzten Ballkontakt ausgewertet. Der Lohn der Fleißarbeit: Neben Erkenntnissen über den Lieblingssport der Deutschen deckte Loy reihenweise Irrtümer auf!

Für einen Fußballfan, der um den Erfolg seiner Mannschaft bangt, können 90 Minuten eine Ewigkeit sein. Wie lange haben Sie mit der systematischen Auswertung eines Spiels zu tun?

Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal schaue ich mir ein Spiel nur einmal an und beobachte einige Parameter wie Eckbälle, Flanken, Torschüsse – ohne zu stoppen oder zurückzuspulen. Der andere Extremfall sieht so aus, dass die Auswertung zu einem Spiel schon mal 20 oder 25 Stunden in Anspruch nehmen kann – wenn man sich im Detail jeden einzelnen Spieler, jeden einzelnen Ballkontakt ansieht.

Für wen arbeiten Sie hauptsächlich: Medien wie Fernsehsender oder Fußballvereine?

Inzwischen haben sich die Schwerpunkte stark in Richtung Medien und Fernsehanstalten verlagert. Früher war ich hauptsächlich für Vereine und Verbände tätig. Ich habe beispielsweise viele Jahre lang mit Franz Beckenbauer zusammen gearbeitet, als er für die Deutsche Nationalmannschaft als Teamchef im Einsatz war – unter anderem auch bei der Fußballweltmeisterschaft 1990. Später auch bei Bayern München und Olympique Marseille.

Fußballvereine könnten aus Ihren statistischen Auswertungen interessante Erkenntnisse über die eigene Mannschaft oder die Gegner ziehen. Machen sich Profiklubs statistische Daten zunutze?

Das hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Vor 20 Jahren hat sich für solche Dinge und Analysen kaum jemand interessiert. Damals war Franz Beckenbauer die große Ausnahme, als er sagte: „Ich will diese Informationen haben, das interessiert mich.“ In der Zwischenzeit ist es so, dass der eine oder andere Verein selbst solche Analysen macht oder sich von anderen Firmen, die es inzwischen am Markt gibt, entsprechende Statistiken und Auswertungen erstellen lässt.

Reagieren manche Trainer allergisch auf statistische Auswertungen? Ihre Zahlen und Schlussfolgerungen können den Sinn mancher taktischen Marschroute widerlegen.

Vollkommen richtig. Ich habe beobachtet, dass viele Trainer, insbesondere wenn sie der älteren Generation angehören, sagen: „Lass mich in Frieden mit diesen Dingen. Warum sollten wir Sport und Wissenschaft vermischen?“ Möglicherweise stecken dahinter Berührungsängste. Auf der anderen Seite gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Trainern der jüngeren Generation, die der Meinung sind: „Das gehört heutzutage mit dazu. Selbstverständlich nutzen wir statistische Informationen.“

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